Alchemie der Innovation

Artikel Notitia 32

Der Wind weht heftig von Osten. Flocken wirbeln am Himmel, als das Flugzeug langsam auf die Piste rollt. Was haben Sie sich auf diese Ferien gefreut! In wenigen Stunden werden Sie entspannt an der warmen Sonne sitzen. Technik sei Dank. Doch was heute Alltag ist, bedurfte jahrhundertelanger Forschung. Denn erst als man den Grundmechanismus des Fliegens verstand – nämlich das spezielle Flügelprofil, das den nötigen Auftrieb verleiht –, blieben die «Vögel» auch oben.

Moodimage - Alchemy of Innovation

Ein Blick auf die soziale und die technologische Entwicklung der letzten Jahr-hunderte zeigt: Echte und nachhaltige Innovation entstand immer dann, wenn eine neue Technologie ein tiefes Bedürfnis erfüllte. Ähnlich den Alchemisten, die im Mittelalter versuchten, aus unedlen Basismetallen Gold zu machen, wollen wir Mehrwert schaffen, indem wir innovative technologische Möglich-keiten und Kundenbedürfnisse zusammenführen. Der AdNovum Incubator will die Mechanismen von Innovation mit einer Methode verstehen, modellieren und unterstützen: der Alchemie der Innovation. Sie besteht aus den drei Phasen «observe», «incubate» und «convert».


Observe
Täglich beziehen wir unzählige Informationen aus den unterschiedlichsten Quellen. Wir lesen Zeitung, hören Nachrichten, lauschen im Zug Gesprächen, surfen im Netz, lesen E­Mails usw. Wir sind ständig auf Empfang, dadurch entstehen Ideen. Damit wir nicht verrückt werden, hilft uns unser Gehirn, diese Informationsflut zu verarbeiten. Was unwichtig oder bekannt ist, filtert es heraus und lässt nur ins Bewusstsein durch, was wichtig ist bzw. nicht in unser Schema passt. Diese Trennung zwischen dem immer Gleichen und dem Unterschiedlichen ist der Schlüssel, um zu abstrahieren bzw. zu generalisie-ren. Es geht darum, sofort zu erkennen, dass dieses Tier, das wir jetzt gerade sehen, ein Hund ist, weil es sehr ähnlich aussieht wie andere Hunde, die wir kennen. Doch wir bemerken auch, dass dieser Hund auf seine Art speziell ist.


Im sogenannten Deep Learning passiert etwas ganz Ähnliches. Wie in unserem Hirn sind auch beim Deep Learning Neuronennetze hierarchisch organisiert. Dabei steht jede Ebene für eine bestimmte Abstraktionsstufe. Die unteren Ebenen erkennen Muster auf tiefer Abstraktion, die oberen Ebenen auf höherer Abstraktion. Je mehr Informationen gelernt bzw. verarbeitet werden, desto höherwertige Abstraktionen können sich ausbilden. Das gilt wiederum auch für unser Gehirn.


Für alles, was wir neu lernen, läuft das Generalisieren unbewusst ab und liefert uns eine vielschichtige Klassifizierung des Gelernten. Damit ordnen wir die Information in unseren inneren Wissensbaum (Knowledge Graph) ein. Jede Person hat ihren ganz individuellen Wissensbaum – ihre persönliche Sicht auf die sogenannte Wirklichkeit. Wollen wir anderen Menschen etwas erklären, versuchen wir immer, Ihnen einen Teil unseres Wissensbaums ver-ständlich zu machen.


Bei der Innovation geht es nun darum, aus Beobachtungen Ideen zu gewinnen und diese auf neue Gebiete zu übertragen. Dazu müssen wir jeweils primär die Grundidee bzw. den grundlegenden Mechanismus verstehen. Nur dann sind wir fähig, daraus einen Nutzen zu ziehen. Hilfreich ist, sich bei einem Thema beispielsweise zu fragen: «Was macht es speziell?» oder «Wie grenzt es sich von Ähnlichem ab?». So läuft automatisch ein «Matching» ab, das heisst, wer den Grundgedanken einer coolen Lösung erkannt hat, sucht nach einem Problem, das sich damit ebenfalls lösen lässt. Es entsteht eine Hypo-these für eine Innovation. Eine Idee und deren Matching lassen sich nicht erzwingen. Manchmal ereilt einen die Eingebung unter der Dusche, manchmal liefert die Natur den entscheidenden Hinweis.

 

Incubate
Ist in der «observe»-Phase eine Idee entstanden, muss sie als Hypothese ausformuliert werden, damit auch andere sie verstehen. Ob die Idee tragfähig ist, zeigt sich an der Resonanz darauf. Sprechen Menschen darauf an und beginnen, weitere Ideen oder Varianten davon zu spinnen, entsteht so etwas wie Reaktionswärme. Hat die Idee eine grosse Resonanz erzeugt, muss sie mit Experimenten validiert werden. Ist sie praktisch umsetz-bar? Waren die getroffenen Annahmen realistisch? Die Validierung geschieht meist in der Form eines Proof of Concept oder eines Prototyps, und zwar am effektivsten mit einem potenziellen Kunden in einer sogenannten Co-Creation. Dabei verfolgt man auf Augenhöhe ein gemeinsames Ziel.
Im einfachsten Fall wird die Hypothese bestätigt und die Phase ist abgeschlossen. Oft sieht das Ergebnis schon vielversprechend aus, doch ist die Hypothese noch nicht gänzlich bestätigt und muss angepasst werden, weil man neue Erkenntnisse gewonnen hat. Möglich ist auch ein Zufallstreffer: Das Experiment scheint auf den ersten Blick gescheitert, doch wenn man begreift, was genau vor sich gegangen ist, entdeckt man ein völlig unerwar-tetes Resultat, das grossen Nutzen hat. Natürlich kommt es auch vor, dass eine Hypothese falsch ist. Je mutiger man Ideen verfolgt, desto öfter tritt dieser Fall ein. Das ist aber ebenso wichtig. Denn auch eine Hypothese, die sich nicht bestätigt, ist eine wertvolle Erkenntnis.


Convert
Ist eine Hypothese bestätigt und eine konkrete Anwendung ermittelt, gilt es zu prüfen, ob sie in Form eines Ange-bots kommerzialisiert werden kann. Dazu erarbeiten wir einen klassischen Business Case, bei dem der Mehrwert des Endbenutzers im Zentrum steht. Sind Mehrwert und Marktpotenzial erwiesen, definieren wir die orga-nisatorischen und finanziellen Rahmenbedingungen für ein erfolgreiches Design, die Implementierung und die Vermarktung. Ein vielversprechender Business Case wird je nach Situation verschieden umgesetzt. Hat die Lösung Produktcharakter, passt sie zu Strategie und Angebot von AdNovum und kann sie rechtzeitig mit eigenen Ressourcen entwickelt werden, erfolgt die Umsetzung intern. Ein multidisziplinäres, agiles Team aus verschiede-nen Business­ und Support­Einheiten kümmert sich um Produktdesign und -entwicklung sowie die Vermarktung eines ersten MVP. Erfolgsentscheidend ist dabei, dass sich das Team ganz auf seine Aufgaben konzentrieren kann und am gleichen Ort arbeitet. Zudem hat sich
ein agiles Vorgehen bewährt. Ist die Lösung am Markt erfolgreich, wird sie einer bestehenden Business Unit zu-geordnet oder in eine neue Business Unit überführt.


Sind die Rahmenbedingungen für eine interne Umsetzung nicht erfüllt, wird die Lösung ausserhalb von AdNovum, allenfalls gemeinsam mit Partnern, entwickelt. Damit kann die Gründung eines separaten Start­ups oder eines Joint Venture einhergehen. Denkbar ist zudem eine in-dividuelle Softwareentwicklung, wenn die Lösung dem Bedürfnis eines Kunden entspricht oder dieser daran interessiert ist, die Lösung selbst zu entwickeln, aber einen Technologiepartner braucht. Diese Variante ent-spricht dem klassischen Ansatz von AdNovum, für den verschiedene Modelle wie Shared Risks / Shared Revenue in Frage kommen.


Innovationskultur und Leitplanken
Innovation ist keine Wissenschaft, die systematisch nach definierten Grundsätzen erfolgt. Sie ist vielmehr ein Geisteszustand, eine Kultur, die es zu pflegen gilt, um neue Ideen hervorzubringen, einzufangen und zu konkretisieren. Diese Kultur zeichnet sich durch ge-wisse Aspekte aus: Die beteiligten Personen haben die Zeit und den Freiraum, sich mit neuen Themen vertraut zu machen. Sie dürfen experimentieren, da selbst gescheiterte Experimente neue Kenntnisse bringen, die potenziell zu neuen Ideen führen. Das Umfeld ist geprägt von Vertrauen, Offenheit, Austausch und Zusammenarbeit sowie zugleich von Risikobereitschaft. Zudem ist es wichtig, Ziele und Leitplanken zu definie-ren, etwa den Validierungsprozess einer Idee. Ausser-dem sollen adäquate, jedoch keinesfalls unbeschränkte Ressourcen verfügbar sein, sodass sich das Team auf das Wesentliche konzentrieren muss. Kurz: Innovation ist ein Balance­Akt zwischen Freiheit und Struktur, Einzel­ und Teamarbeit, Breite und Tiefe sowie zu vielen und zu wenigen Ressourcen – genau diese Spannungsfelder machen Innovation derart aufregend.

 

 

Der AdNovum Incubator antizipiert digitale Trends

Innovation entsteht, wenn eine neue oder unerwartete Art der Anwendung einer Technologie ein dringendes Bedürfnis erfüllt. Der AdNovum Incubator fördert gezielt Innovation. Gemeinsam mit Kunden antizipiert er dazu digitale Trends, überprüft Anwendungsfälle für aufkommende Technologien und schafft neue Kundenerlebnisse, Arbeitsmethoden und Geschäftsmodelle. Mit diesem Co-Creation-Ansatz können auch unsere Kunden ihr digitales Potenzial und ihre Innovationskraft ausschöpfen. Damit steht ihnen der Weg offen, in ihren Branchen Marktführerschaft zu erlangen.

 

Notitia 32: The Anniversary Issue

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